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Friday, August 22. 2008
Menschenverachtende Untergrundmusik
Den rund 6000 Beschäftigten der Technikzentren wurde bei dieser Gelegenheit auch offenbart, dass sie künftig länger arbeiten müssen und weniger verdienen. Sie erwartet eine Wochenarbeitszeit von 38 Stunden und ein "moderater Gehaltsverzicht" [...] Die Deutsche Telekom AG, die in den ersten sechs Monaten 2008 ein Betriebsergebnis von 4,166 Milliarden Euro und einen Überschuss von 1,607 Milliarden Euro (plus 22,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum) erwirtschaftete, begründet die Überführung der Technikbereiche von T-Home in die Deutsche Telekom Netzproduktion GmbH mit einem "anhaltend starken Wettbewerb und dem damit einhergehenden Preisdruck".(heise newsticker)
Wenn ich mal die 1,607 Milliarden Überschuß durch die 6.000 Geknechteten teile erhalte ich 267.833,33 Euro pro Kopf. Das ist natürlich eine völlig unsinnige Rechnung. Die beiden Zahlen haben nichts miteinander zu tun. Aber mal ganz ehrlich: Die Einsparungen bei den 6.000 Stellen sind doch Ackermannsche Peanuts, oder?
Betriebswirtschaftlich kann die erzielbare Summe gegenüber anderen Maßnahmen also kein Grund sein. Aber weitere 6.000 Arbeitnehmer per Dekret in ihre Schranken zu weisen ist ein weiterer Schritt in Richtung furchtsamer, willfähriger Sklaven.
Saturday, June 23. 2007
Kompromiss
Das ver.di und die Telekom sich irgendwann einig werden war absehbar. In der Diskussion werden ständig Zahlen hin und her geworfen. Schauen wir uns die doch mal an.
Die Telekom will zwischen 500 und 900 Millionen Euro jährlich sparen. Der Gewinn (also mehr oder weniger das, was tatsächlich übrig bleibt) im ersten Quartal 2007 liegt ziemlich nahe dieser Spanne1. Der angepeilte Brutto-Gewinn beträgt in diesem Jahr 19 Milliarden Euro.
Unter dem Strich verdiente die Telekom nur 459 Millionen Euro. Das sind 58 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Analysten hatten 793 Millionen Euro auf ihrer Rechnung gehabt. Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick begründete den herben Gewinneinbruch mit Abschreibungen auf die erworbenen österreichische tele.ring und die polnische PTC. (1)
Der herbe Gewinneinbruch liegt also an Abschreibungen. Für Menschen, die nicht so genau wissen was das ist: Die Telekom hat die Firmen tele.ring und PTC gekauft. Das hat eine Menge Geld gekostet, so ungefähr 3,5 Milliarden Euro. Diese Investition nutzt sich aber nicht sofort ab, auch nach einem Jahr gehören diese Firmen noch der Telekom. Also darf die Gesamtsumme nur zu einem Teil vom Gewinn abgezogen werden, dafür aber mehrere Jahre hintereinander. Anders gesagt: Der Gewinn der Telekom sieht so klein aus, weil eine Ausgabe aus einem anderen Jahr angerechnet werden darf.
Die polnische PTC war schon 2003 zu 49% im Besitz der Telekom2,
den größten Teil des Rests konnte sich Kai-Uwe Ricke dann im Februar
2005 sichern. Seitdem besitzt die Telekom eine 97%-Mehrheit der Aktien3. Der Aufkauf der östereichischen tele.ring ist im August 2005 in die Wege geleitet4 und 2006 im April letztendlich genehmigt worden5.
Trotz dieser rechnerischen Gewinnverminderung erwirtschaftet die Telekom über 450 Millionen Euro nach Steuern, Zinsen, Abschreibungen. Das reicht dem Obermann und insbesondere seinen Aktionären natürlich nicht, sie lechzen nach mehr, mehr, mehr. Was liegt also näher, die Arbeitnehmerschaft mal ein bißchen zur Ader zu lassen?
Ich kann zwar verstehen, das ein Unternehmer gerne irgendwo Kosten spart, aber bei so einem Geschäftsergebnis die geforderten Einschnitte mit solch einer Vehemenz zu verteidigen finde ich menschenverachtend. Dem Unternehmen geht es gut. Es wirft Gewinn ab. Der Aktienkurs ist mager, aber erträglich. Einzig die Gier bringt die Verantwortlichen zu diesem Schritt. Unternehmerisch notwendig ist er nicht.
Quellen:
- ARD - Kunden- und Gewinnschwund bei der Telekom
- tecchannel - Telekom: Übernahme von PTC geplatzt
- Wirtschafts Woche - Telekom schafft Fakten in Polen
- Deutschlandradio - Telekom kauft österreichische Telering
- dsl-tarife.de - tele.ring-Übernahme durch Telekom wird genehmigt




