Entries tagged as auswandern
Wednesday, June 27. 2007
Mögen tät ich schon wollen
Wenn man in Diskussionsrunden zum Thema Rechtsstaat und Demokratie an der Verfassung Deutschlands zweifelt kommt früher oder später garantiert jemand mit der Aufforderung
Wenn´s dir nicht paßt, dann wander doch aus. Zwingt dich ja niemand hier zu leben.
Vor 1989 hieß es auch gerne "dann geh doch rüber". Das ist im Prinzip gar keine schlechte Idee. Die erste Frage ist: Wohin? Und da fängt das Problem schon an. Wenn man die Wahl zwischen der "Koalition der Willigen" und der "Achse des Bösen" hat, wenn die möglichen Destinationen in einem ähnlichen Zustand wie der Ausgangspunkt sind ist eine Relokation eigentlich absurd.
Warum sollte ich mich der Repression und Überwachung in einem fremden Land stellen, wenn ich doch die hiesige schon seit Jahren kenne? Sicherlich, manches würde sich ändern, einiges vielleicht sogar zum Besseren, aber in der Summe hat man nur die Wahl, von wem man sich unterdrücken läßt.
Das zweite Problem, das sich stellt: So ein Länderwechsel ist doch aufwendiger als ein Umzug in die nächste Stadt. Auch wenn angeblich eine EU-weite Freizügigkeit garantiert ist, spätestens vor Ort wird man mit den xenophoben Vorstellungen der Landesjurisdiktion konfrontiert.
Das Wichtigste, für so einen Schritt ist Geld. Je mehr man davon hat und mitbringt, desto einfacher wird einem der Zuzug gemacht. Der Umzug an sich kostet auch eine Kleinigkeit. Und steht damit außer Frage für einen Großteil der Bevölkerung. Was soll ein unzufriedener Hartz-IV-Empfänger mit nicht mal 400 Euro im Monat denn bewerkstelligen? Die Zeiten in denen man versteckt im Zug in die Budapester Botschaft ziehen konnte sind vorbei.
Auszuwandern bleibt also eine Lösung für die Wenigen, die es sich leisten können. Mit der Möglichkeit zu argumentieren um Kritik oder Protest zum Schweigen zu bringen ist armselig und geht an der Realität vorbei.




