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Thursday, July 24. 2008
Hirnfick
Eine Freundin hat mir heute erzählt, seit ungefähr zwei, vielleicht drei Jahren würde sie immer ängstlicher. Sie hätte Angst vor einem Absturz bei ihrer ersten Flugreise in ein paar Tagen. Sie hätte Angst um ihre drei Kinder, man hat ja den Eindruck, es passiere so viel. Sie hätte Angst vor Terror.
Diese Freundin ist eigentlich nicht unbedingt ängstlicher Natur. Sie bringt ein gewisses, gesundes Mißtrauen mit. Trotzdem hat die FUD-Propaganda in der Medienwelt sie erwischt. Ihr ist durchaus bewußt, das die Terrorkampagnen im Fernsehen und den Zeitungen nur darauf aus ist, Angst zu schüren. Und trotzdem kommt sie gegen die Indoktrination nicht an.
Man könnte also sagen, sie haben es geschafft. Während sie uns ein faschistisches Gesetz nach dem anderen aufdrücken, verharrt die große Masse in Angst vor der nächsten heraufbeschworenen Gefahr. Weil wir schon seit 30 Jahren keinen echten Terroranschlag mehr hatten, müssen wir überwachen, müssen wir der Ordnungsmacht bedingungslose Befugnisse geben, denn Ordnung, ja, das hilft uns in der Angst.
Wir müssen vor Allem beschützt werden. Vor den gewalttätigen ausländischen Jugendlichen. Vor den an jeder Ecke lauernden Kinderschändern. Vor dem arabisch aussehenden Gemüsehndler, wer weiß, was der heimlich in seinem Laden so treibt. Und beschützen, das kann der Staat am Besten, wenn er ganz genau weiß, wer du bist. Wo du bist. Was du gerade tust. Mit wem du gerade telefonierst. Was du mit deinem Partner nachts unter der Bettdecke machst. Welche Gelder auf deinem Konto ein- und ausgehen. In welcher Gewerkschaft du bist, und was du dort sagst.
Das, und noch viel mehr, muß der Staat von dir wissen, um dich gegen die Hunderte, wenn nicht gar Tausende, ach was sag ich, Millionen finsterer Selbstmordraubkopierattentäterpädophile zu beschützen. Denn die hassen uns für unsere Freiheit, ehern festgeschrieben in den unverrückbaren Buchstaben unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Für unser Bankgeheimnis. Für unsere Unverletzlichkeit der Wohnung und die Integrität unserer Datenverarbeitungsanlagen. Für die freie Meinungsäußerung, die wir immerhin fast bis auf einen Kilometer an die Entscheidungsträger heranbringen dürfen. Für das soziale Netz, das uns immer auffängt und niemanden hungern oder frieren läßt. Für unsere unabhängige Presse, die natürlich jeden Mißstand sofort und schonungslos aufdeckt. Für unsere unabhängige Justiz, vor der auch der kleine Mann ohne Mammon behandelt wird, wie eine Rotte überbezahlter Rechtsvertreter eines Konzerns, der zufällig ein paar Dutzend Leihbeamte in Berlin unterhält. Für unsere durch und durch integren Politiker, die natürlich nie jemals dubiose Spenden für Gefälligkeiten annehmen würden, und wenn das doch Mal aus Versehen passiert, greift natürlich sofort wieder die unabhängige Justiz. Für unsere sozial verantworlich handelnden Konzerne und Unternehmen, die natürlich immer zuerst den Menschen, die Allgemeinheit betrachten, und erst dann ihren Profit.
Ich würde gerne so viel fressen, wie ich kotzen könnte. Aber ich muß auf meine Linie achten.




