Saturday, December 15. 2007
Spaßige Idee, aber...
Heute irgendwo drüber gestolpert, dann soeben per Suchmaschine hier, hier, hier, hier, hier und hier (weitere Suchergebnisse ausgelassen) wiedergefunden: Das Video, in dem erklärt wird, wie man einen iPod (trotz der dämlichen Schreibweise erstaunlich weit verbreitet, dieses iGedöns-Mem...) mit Hilfe einer Zwiebel und eines angeblich Elektrolyte (Brawndo -the thirst mutilator) enthaltenden Powerdrinks, vulgo gefärbtes Zuckerwasser, ein bißchen Energie einverleibt. Im Prinzip ist die Idee gar nicht so doof. So wie dargestellt funktioniert die Geschichte allerdings nicht.
Wenn man statt der Zwiebel eine Zitrone verwendet läßt sich sehr einfach eine Batterie herstellen. Dafür benötigt man nur ein Stück Kupfer und ein Stück Eisen, zum Beispiel einen Nagel (korrekter Drahtstift) und einen Pfennig. In die Zitrone macht man mit ein wenig Abstand (gegenüberliegend ist keine zwingende Eigenschaft) zwei passende Löcher, in die man jeweils eins der Metallstücke steckt. Ein an die Metalle angelegtes Voltmeßgerät zeigt jetzt eine Spannung in der Größenordnung 0,5-1,5V an. Mit dieser Spannung bzw. der aus der Zitrone entnehmbaren Leistung kann man z.B. ein Kristalldetektorradio oder ein Glühlämpchen über einige Zeit betreiben.
Warum funktioniert das?
Eisen und Kupfer haben in der Spannungsreihe ein unterschiedliches Potenzial, das heißt platt ausgedrückt: Die Elektronen sitzen unterschiedlich fest. Mit ein wenig Anreiz fließen Elektronen vom Eisen zum Kupfer. Der Anreiz ist die säurehaltige Flüßigkeit in der Zitrone. Im Gegensatz zu Batterien kann man den Zitronen sehr gut von außen ansehen, ob sie verbraucht sind: Sie schrumpeln und verfärbern sich. Eine bebilderte Erklärung mit zusätzlichen Schaltungsvorschlägen gibt´s beim NDR. Der Prozeß, der dahinter steckt, ist derselbe, der auch in Batterien und Akkus für die Stromspeicherung bzw. -erzeugung sorgt.
Warum soll das dann nicht funktionieren, was in dem Video gezeigt wird?
Der USB-Stecker hat vier Kontaktzungen. Diese Zungen bestehen alle aus Kupfer. Zwischen egal wie vielen Kupferstücken in einer Zwiebel wird kein Strom fließen.
Aber es gibt noch weitere Merkwürdigkeiten in und an dem Video.
- Eine Zwiebel, deren Wassergehalt typischerweise zwischen 80 und 90 Prozent liegt, soll "one cup of" also ca. 150ml (im Video sieht der Meßbecher größer aus) Flüssigkeit aufsaugen? Warum geben die Dinger dann beim Kochen Flüssigkeit ab? Warum saugen die im Salat das Dressing nicht auf? Wenn die so saugfähig bei Powerdrinks sind, warum kann man sich mit Zwiebeln nicht abtrocknen?
- Warum liegt das Kabel in zwei im Verlauf zumindest fragwürdigen Schleifen?
- Warum liegt der iPod auf diesem Kästchen/diesem Mäppchen/worauf auch immer er da liegt?
- Warum schafft eine Gemüsezwiebel nur mit Kupferelektroden eine höhere Spannung, als alle derzeit verwendeten, teils sehr aufwendigen, Verfahren der mobilen Stromerzeugung? Sollte etwa allen Batterie- und Akku-Entwicklern die pflanzliche Revulotion auf Zwiebelbasis über Jahrzehnte entgangen sein? Oder steckt vielleicht die Öl-Mafia dahinter, weil.... öhm.... na, WEIL?
- Wenn eine Zwiebel eine derart hohe Spannung nur mit Kupferelektroden entwickelt, was passiert dann erst, wenn man eine Gabel (üblicherweise Stahl) mit Zwiebelstückchen in den Mund steckt und mit metallhaltiger Zahnfüllung (üblicherweise nicht Stahl) draufbeißt? Für Menschen, die sich den Effekt nicht vorstellen können: Schon mal auf Alufolie (z.B. Reste am Schokoladenstückchen / Frühstücksbrötchen / Grillgut / ...) gebissen? Logisch deduziert müßten Zwiebeln dann im Bereich Taser - obere Mittelklasse liegen.




