Das ver.di und die Telekom sich irgendwann einig werden war absehbar. In der Diskussion werden ständig Zahlen hin und her geworfen. Schauen wir uns die doch mal an.
Die Telekom will zwischen 500 und 900 Millionen Euro jährlich
sparen. Der Gewinn (also mehr oder weniger das, was tatsächlich übrig
bleibt) im ersten Quartal 2007 liegt ziemlich nahe dieser Spanne1. Der angepeilte Brutto-Gewinn beträgt in diesem Jahr 19 Milliarden Euro.
Unter dem Strich verdiente die Telekom nur 459 Millionen Euro. Das sind
58 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Analysten hatten 793
Millionen Euro auf ihrer Rechnung gehabt. Finanzvorstand Karl-Gerhard
Eick begründete den herben Gewinneinbruch mit Abschreibungen auf die
erworbenen österreichische tele.ring und die polnische PTC. (1)
Der
herbe Gewinneinbruch liegt also an Abschreibungen. Für Menschen, die
nicht so genau wissen was das ist: Die Telekom hat die Firmen tele.ring
und PTC gekauft. Das hat eine Menge Geld gekostet, so ungefähr 3,5 Milliarden Euro. Diese Investition
nutzt sich aber nicht sofort ab, auch nach einem Jahr gehören diese
Firmen noch der Telekom. Also darf die Gesamtsumme nur zu einem Teil
vom Gewinn abgezogen werden, dafür aber mehrere Jahre hintereinander.
Anders gesagt: Der Gewinn der Telekom sieht so klein aus, weil eine
Ausgabe aus einem anderen Jahr angerechnet werden darf.
Die polnische PTC war schon 2003 zu 49% im Besitz der Telekom2,
den größten Teil des Rests konnte sich Kai-Uwe Ricke dann im Februar
2005 sichern. Seitdem besitzt die Telekom eine 97%-Mehrheit der Aktien3. Der Aufkauf der östereichischen tele.ring ist im August 2005 in die Wege geleitet4 und 2006 im April letztendlich genehmigt worden5.
Trotz
dieser rechnerischen Gewinnverminderung erwirtschaftet die Telekom über
450 Millionen Euro nach Steuern, Zinsen, Abschreibungen. Das reicht dem
Obermann und insbesondere seinen Aktionären natürlich nicht, sie
lechzen nach mehr, mehr, mehr. Was liegt also näher, die
Arbeitnehmerschaft mal ein bißchen zur Ader zu lassen?
Ich kann
zwar verstehen, das ein Unternehmer gerne irgendwo Kosten spart, aber
bei so einem Geschäftsergebnis die geforderten Einschnitte mit solch
einer Vehemenz zu verteidigen finde ich menschenverachtend. Dem
Unternehmen geht es gut. Es wirft Gewinn ab. Der Aktienkurs ist mager,
aber erträglich. Einzig die Gier bringt die Verantwortlichen zu diesem
Schritt. Unternehmerisch notwendig ist er nicht.
Quellen:
- ARD - Kunden- und Gewinnschwund bei der Telekom
- tecchannel - Telekom: Übernahme von PTC geplatzt
- Wirtschafts Woche - Telekom schafft Fakten in Polen
- Deutschlandradio - Telekom kauft österreichische Telering
- dsl-tarife.de - tele.ring-Übernahme durch Telekom wird genehmigt